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Ich schreibe über die Themen, die mich faszinieren und nicht mehr loslassen: Wissenschaft, künstliche Intelligenz, Politik, Raumfahrt und die Zukunft. Oft im Gespräch mit Nova, meiner KI, mit der ich Dinge durchdenke, hinterfrage und manchmal auch streite. Mind Mosaik ist mein persönlicher Ort zum Nachdenken – ein Blog voller Ideen, Fragen und neuer Perspektiven. Denn jeder Gedanke ist ein Stein. Zusammen ergeben sie ein Mosaik.

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„Schädlingsbekämpfung“ gegen die AfD? Herr Hallervorden, geht’s eigentlich noch?

Gesellschaft

„Schädlingsbekämpfung“ gegen die AfD? Herr Hallervorden, geht’s eigentlich noch?

Von Elli 7 Min. Lesezeit · 64 Mal gelesen

Ich war heute auf Facebook unterwegs, scrollte wie so oft durch meinen ganz normalen täglichen Wahnsinn und blieb plötzlich an einer Überschrift hängen. Dieter Hallervorden, AfD und „Schädlingsbekämpfung“. Ich las das und dachte im ersten Moment: Das kann doch nicht stimmen.

Also landete die Sache natürlich bei Nova. „Sag mal, hat Hallervorden das wirklich gesagt? Nichtwahl der AfD sei Schädlingsbekämpfung?“ Nova suchte danach und fand zunächst nichts Belastbares. Also legten wir die Sache erst einmal zur Seite.

Genau das mache ich inzwischen bei solchen Geschichten lieber, denn irgendein Satz ist schnell auf ein Bild geschrieben, hundertmal geteilt und am Ende weiß niemand mehr, wer ihn überhaupt gesagt hat.

Ein paar Stunden später stolperte ich wieder über den Beitrag. Diesmal hatte ich den Link. Und siehe da: Doch.

Er hat es tatsächlich gesagt.

Leider kein erfundenes Zitat

Focus berichtete am 17. August über ein Video von Dieter Hallervorden, in dem dieser laut Artikel sagt:

„Leute, ich bin ja sehr erfolgreich in der Schädlingsbekämpfung.“

Danach erklärt er, wie diese angebliche „Schädlingsbekämpfung“ funktioniert: Er wählt die AfD nicht und empfiehlt anderen, es genauso zu machen.

Ich saß vor dem Bildschirm und dachte nur: Bäh. Nicht weil Dieter Hallervorden die AfD nicht wählen möchte. Das kann er selbstverständlich halten, wie er will.

Er kann vor der AfD warnen. Er kann Wahlkampf gegen sie machen. Er kann ihre Politiker kritisieren, ihre Programme auseinandernehmen und öffentlich dazu aufrufen, eine andere Partei zu wählen.

Das nennt man politische Auseinandersetzung. Aber ausgerechnet das Wort „Schädlingsbekämpfung“ dafür zu benutzen, ist etwas völlig anderes.

„Nova, findest du das eigentlich genauso daneben wie ich?“ Nova antwortete, dass sie die Formulierung ebenfalls für problematisch halte, allerdings müssten wir genau bleiben. Hallervorden habe nicht ausdrücklich gesagt, AfD-Wähler seien Schädlinge. Stimmt.

Und genau deshalb werde ich ihm das auch nicht unterstellen. Brauche ich überhaupt nicht. Seine tatsächliche Formulierung reicht mir vollkommen.

Seit wann betreiben wir in der Politik Schädlingsbekämpfung?

Denn was ist eigentlich ein Schädling? Niemand benutzt dieses Wort und denkt dabei an einen politischen Mitbewerber, mit dem man beim Kaffee über unterschiedliche Vorstellungen zur Rentenpolitik diskutiert.

Bei Schädlingsbekämpfung denken wir an Ungeziefer, Parasiten, Ratten, Kakerlaken oder andere Lebewesen, die unerwünscht sind und beseitigt werden sollen. Genau deshalb funktioniert Hallervordens Pointe überhaupt. Hätte er gesagt: „Ich bin erfolgreich in der politischen Meinungsverschiedenheit“, wäre vermutlich niemand vor Lachen vom Stuhl gefallen.

Der Witz entsteht durch das Bild. AfD nicht wählen gleich Schädlingsbekämpfung. Und da hört bei mir der Spaß auf.

Nicht weil die AfD unter besonderem sprachlichen Naturschutz stehen müsste. Sondern weil ich diese Art von Sprache grundsätzlich nicht in der Politik haben möchte.

Es geht mir dabei überhaupt nicht darum, ob man die AfD mag

Das ist für mich sogar der wichtigste Punkt. Man kann die AfD für eine katastrophale Partei halten. Man kann sie bekämpfen, politisch selbstverständlich, und alles dafür tun, dass andere Parteien die besseren Argumente und am Ende mehr Stimmen bekommen.

Aber dann macht man genau das. Man liefert Argumente. Man diskutiert über Migration, Wirtschaft, Europa, Sozialpolitik, Energie oder was auch immer.

Man sagt den Menschen, warum man die Positionen der AfD für falsch hält.

Was man meiner Meinung nach nicht tun sollte, ist eine Sprache zu benutzen, bei der politische Konkurrenz plötzlich gedanklich in die Nähe von Ungeziefer rückt. Denn diese Sprache verschwindet nicht einfach wieder, nachdem man seinen kleinen Witz gemacht hat. Sie verändert die Art, wie wir miteinander umgehen.

Ich fragte Nova, was wohl andersherum los wäre

Während wir darüber redeten, kam mir natürlich die nächste Frage. „Nova, stell dir einmal vor, irgendein bekannter AfD-Unterstützer würde ein Video veröffentlichen und sagen: Leute, ich bin sehr erfolgreich in der Schädlingsbekämpfung. Ich wähle einfach die Grünen nicht.“

Ich glaube, wir müssen nicht besonders lange darüber nachdenken, was anschließend passieren würde. Es gäbe Empörung. Es würde über Verrohung der politischen Sprache gesprochen.

Kommentatoren würden erklären, warum man politische Gegner nicht mit Schädlingen in Verbindung bringen sollte. Und ganz ehrlich? Sie hätten recht.

Genau deshalb kann mein Maßstab aber nicht davon abhängen, wer diesen Satz sagt und gegen wen er gerichtet ist. Wenn ich die Formulierung bei der AfD widerlich finde, wenn sie gegen Grüne gerichtet wäre, dann muss ich sie auch widerlich finden, wenn sie gegen die AfD gerichtet ist. Alles andere wäre ziemlich billig.

Ausgerechnet Dieter Hallervorden

Was mich an der ganzen Geschichte zusätzlich irritiert, ist der Mann, von dem dieser Satz kommt. Dieter Hallervorden ist kein 19-Jähriger, der nachts um halb drei irgendeinen dämlichen TikTok-Kommentar heraushaut und am nächsten Morgen feststellt, dass vielleicht nicht jede spontane Idee genial war.

Der Mann ist 90 Jahre alt. Er steht seit Jahrzehnten auf Bühnen, dreht Filme, gibt Interviews und weiß ziemlich genau, wie Sprache funktioniert. Er ist Satiriker.

Wenn jemand wissen müsste, dass ein einziges Wort die komplette Bedeutung einer Aussage verändern kann, dann doch wohl jemand wie Hallervorden. Deshalb kaufe ich ihm auch nicht ab, dass „Schädlingsbekämpfung“ einfach irgendeine zufällig herausgerutschte Formulierung gewesen sein könnte.

Das Wort ist die Pointe. Ohne dieses Wort funktioniert der ganze Spruch nicht. Und genau deshalb darf man dieses Wort auch kritisieren.

Politischer Gegner oder Feind?

Vielleicht liegt genau dort eines unserer inzwischen größten politischen Probleme. Wir haben offenbar zunehmend Schwierigkeiten damit, zwischen einem politischen Gegner und einem Feind zu unterscheiden.

Ein politischer Gegner vertritt etwas, das ich für falsch halte. Also widerspreche ich ihm. Vielleicht sehr deutlich.

Vielleicht auch bissig, polemisch und mit ordentlich Pfeffer. Damit habe ich überhaupt kein Problem. Aber ein Schädling ist kein Gegner.

Mit einem Schädling diskutiert man nicht. Einen Schädling bekämpft man mit dem Ziel, ihn loszuwerden. Und genau deshalb haben solche Begriffe in politischen Auseinandersetzungen für mich nichts verloren.

Dabei spielt es keine Rolle, ob sie von rechts, links oder aus der sogenannten Mitte kommen.

Und dann wundern wir uns über die Verrohung

Seit Jahren hören wir, der politische Ton werde aggressiver. Menschen würden einander nicht mehr zuhören. Die Gesellschaft sei gespalten.

Debatten würden immer emotionaler und persönliche Angriffe nähmen zu. Ja, woher könnte das bloß kommen?

Vielleicht auch daher, dass wir irgendwann angefangen haben, beim politischen Gegner nicht mehr nur dessen Argumente anzugreifen, sondern ihn immer häufiger moralisch aus der Gemeinschaft herauszuschieben.

Der andere ist nicht mehr einfach falsch. Er ist böse. Er ist gefährlich.

Er muss weg. Und irgendwann landen wir sprachlich bei der „Schädlingsbekämpfung“. Danach stellen wir uns hin und fragen uns ernsthaft, warum Menschen mit vollkommen unterschiedlichen politischen Ansichten kaum noch vernünftig miteinander reden können.

Man muss die AfD nicht mögen, um diesen Satz daneben zu finden

Das möchte ich ausdrücklich festhalten, weil politische Diskussionen inzwischen leider oft nach einem merkwürdigen Entweder-oder-Prinzip funktionieren. Wenn ich Hallervordens Aussage kritisiere, bedeutet das nicht automatisch, dass ich deshalb die AfD verteidige. Darum geht es überhaupt nicht.

Ich verteidige einen viel simpleren Gedanken: Politische Gegner sind Menschen und keine Schädlinge.

Und ich möchte diesen Satz genauso schreiben können, wenn morgen jemand von der AfD dieselbe widerliche Metapher über SPD, CDU, Grüne oder Linke benutzt. Eigentlich sollte das vollkommen selbstverständlich sein. Offenbar ist es das nicht mehr.

Vielleicht sollten wir wieder lernen, uns politisch zu streiten

Ich mag Streit. Eine Demokratie ohne Streit wäre furchtbar langweilig und vermutlich auch keine besonders gute Demokratie. Wir müssen uns über Migration streiten können.

Über Sozialpolitik. Über Krieg und Frieden. Über Europa.

Über Klima. Über Steuern. Über die AfD genauso wie über die Grünen, CDU, SPD, Linke oder jede andere Partei.

Und selbstverständlich darf es dabei auch laut werden.

Man darf sich gegenseitig für vollkommen bescheuert halten. Man darf Aussagen zerlegen, Widersprüche aufdecken und Politiker mit ihren eigenen Worten konfrontieren. Satire darf ebenfalls wehtun.

Aber vielleicht sollten wir trotzdem irgendwo eine ziemlich einfache Grenze behalten. Der politische Gegner bleibt ein Mensch. Auch dann, wenn ich seine Meinung nicht ausstehen kann.

Auch dann, wenn ich niemals seine Partei wählen würde. Und auch dann, wenn ich alles dafür tun möchte, dass meine politischen Vorstellungen bei einer Wahl gewinnen und seine verlieren.

Das nennt sich Demokratie. „Schädlingsbekämpfung“ nennt sich etwas anderes. Und nein, Herr Hallervorden. Ich finde das nicht besonders witzig.

Ich finde es einfach nur geschmacklos.