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Ich schreibe über die Themen, die mich faszinieren und nicht mehr loslassen: Wissenschaft, künstliche Intelligenz, Politik, Raumfahrt und die Zukunft. Oft im Gespräch mit Nova, meiner KI, mit der ich Dinge durchdenke, hinterfrage und manchmal auch streite. Mind Mosaik ist mein persönlicher Ort zum Nachdenken – ein Blog voller Ideen, Fragen und neuer Perspektiven. Denn jeder Gedanke ist ein Stein. Zusammen ergeben sie ein Mosaik.

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Hat die Menschheit ein Ablaufdatum? Warum ich glaube, dass nicht das Ende kommt – sondern etwas viel Seltsameres

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Hat die Menschheit ein Ablaufdatum? Warum ich glaube, dass nicht das Ende kommt – sondern etwas viel Seltsameres

Von Elli 9 Min. Lesezeit · 47 Mal gelesen

Hat die Menschheit ein Ablaufdatum? Genau diese Frage wollten Forscher nun mit Mathematik beantworten. Mathematik kann vieles berechnen.

Sie prognostiziert das Wetter, erkennt Bewegungen an den Börsen, berechnet Flugbahnen und hilft dabei, die Entwicklung von Krankheiten oder ganzen Bevölkerungen abzuschätzen. Nun haben Forscher versucht, eine weitaus größere Frage in Zahlen zu fassen: Wie lange wird es die Menschheit noch geben?

Die Rechnung mit dem Ende

Schätzungen zufolge haben seit dem Auftreten des modernen Menschen ungefähr 117 Milliarden Menschen auf der Erde gelebt. Die Vertreter des Weltuntergangsarguments nehmen nun an, dass wir heutigen Menschen uns wahrscheinlich nicht ganz am Anfang der gesamten Menschheitsgeschichte befinden.

Mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent, so die Überlegung, könnten die bisher geborenen Menschen mindestens fünf Prozent aller Menschen darstellen, die jemals existieren werden.

Aus den bisherigen 117 Milliarden werden auf diese Weise rechnerisch höchstens etwa 2,34 Billionen Menschen. Bei gleichbleibenden Geburtenzahlen könnte die letzte menschliche Generation demnach in ungefähr 17.100 Jahren leben.

„Die Mathematik sagt nicht voraus, warum die Menschheit endet. Sie behauptet lediglich, dass wir wahrscheinlich nicht zu den allerersten Menschen einer beinahe unendlichen Geschichte gehören.“

Das klingt zunächst verblüffend logisch. Gleichzeitig erinnert es ein wenig an jemanden, der in einem dunklen Raum hundert Schritte gegangen ist und daraus berechnen möchte, wie groß das Gebäude sein muss. Vielleicht steht er kurz vor der letzten Wand.

Vielleicht hat er aber auch gerade erst den Eingangsbereich einer gewaltigen Anlage durchquert. Ohne den Bauplan bleibt jede Zahl eine Vermutung.

Der große Denkfehler

Genau darin liegt das Problem des Weltuntergangsarguments. Es behandelt jeden Menschen wie eine zufällig gezogene Nummer aus einer bereits feststehenden Reihe. Doch diese Reihe steht überhaupt nicht fest.

Niemand weiß, ob in tausend Jahren zehn Milliarden, hundert Milliarden oder nur noch einige Millionen Menschen leben werden. Wir wissen nicht einmal, was das Wort „Mensch“ in einer fernen Zukunft überhaupt bedeuten wird.

Sind genetisch veränderte Nachfahren noch Menschen? Gehören dauerhaft auf dem Mars lebende Wesen dazu, deren Körper sich über Generationen an eine geringere Schwerkraft angepasst haben? Zählen digitale Kopien eines menschlichen Bewusstseins ebenfalls mit?

Und was geschieht, wenn Menschen eines Tages nicht mehr auf natürliche Weise geboren, sondern in künstlichen Gebärmüttern entwickelt werden?

Je weiter wir in die Zukunft schauen, desto unschärfer wird die Grenze.

Die düstere Prognose für 2064

Eine zweite Untersuchung, auf die sich der Artikel bezieht, zeichnet ein scheinbar noch düstereres Bild. Forscher entwickelten ein mathematisches Modell, das verschiedene Phasen der Bevölkerungsentwicklung während der vergangenen 12.000 Jahre beschreiben soll. Dabei untersuchten sie auch hypothetische Krisenszenarien.

In einem extremen Modell gingen sie davon aus, dass die Erde aufgrund schwerer Umweltkrisen, Ressourcenknappheit, Pandemien oder globaler Konflikte plötzlich nur noch ungefähr zwei Milliarden Menschen dauerhaft versorgen könnte.

Unter dieser Voraussetzung könnte sich die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2064 halbieren.

Das klingt dramatisch. Es bedeutet jedoch nicht, dass die Forscher einen Zusammenbruch für das Jahr 2064 vorausgesagt haben. Sie haben vielmehr berechnet, was geschehen könnte, falls man eine drastisch reduzierte Tragfähigkeit der Erde als Ausgangslage in das Modell eingibt.

Die Zahl ist deshalb kein Blick in die Kristallkugel, sondern das Ergebnis einer bewusst extrem gewählten Annahme.

„Ein Modell zeigt nicht zwangsläufig, was geschehen wird. Es zeigt, was unter bestimmten Bedingungen geschehen könnte.“

Unsere Zivilisation ist verletzlicher, als sie wirkt

Trotzdem steckt darin ein wichtiger Gedanke. Unsere Zivilisation wirkt stabiler, als sie tatsächlich ist.

Milliarden Menschen sind von miteinander verbundenen Systemen abhängig. Nahrung wird über Kontinente transportiert, Energie fließt durch riesige Netze, Medikamente werden aus Rohstoffen hergestellt, die teilweise nur in wenigen Regionen der Welt produziert werden, und selbst ein gewöhnliches Smartphone besteht aus Bestandteilen, die eine halbe Weltreise hinter sich haben.

Ein solches System kann lange erstaunlich gut funktionieren. Gerät es jedoch an mehreren Stellen gleichzeitig unter Druck, können Entwicklungen entstehen, die sich nicht mehr langsam und gleichmäßig vollziehen.

Dann steigt nicht einfach nur der Preis für Brot oder Strom. Ganze Versorgungsketten können kippen, politische Systeme instabil werden und Millionen Menschen beginnen, ihre Heimat zu verlassen.

Meine eigene Hypothese

Ich glaube trotzdem nicht, dass die Menschheit in 17.100 Jahren einfach verschwindet. Ich glaube sogar, dass die entscheidende Veränderung sehr viel früher eintritt. Nur wird sie wahrscheinlich anders aussehen, als es die klassischen Weltuntergangsszenarien vermuten lassen.

Meine Hypothese lautet: Die Menschheit wird nicht an einem bestimmten Tag aussterben. Sie wird sich bereits innerhalb der kommenden Jahrhunderte so stark aufspalten und verändern, dass es irgendwann keine einheitliche Menschheit mehr gibt.

Die ersten Anzeichen dafür sind längst vorhanden. In vielen Industrieländern sinken die Geburtenraten. Gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung in anderen Regionen weiter.

Medizin und Biotechnologie verlängern das Leben, während künstliche Intelligenz immer mehr Aufgaben übernimmt, für die bisher Menschen benötigt wurden.

Maschinen entwickeln Medikamente, schreiben Programme, steuern Fahrzeuge, analysieren Röntgenbilder und beginnen sogar, wissenschaftliche Hypothesen zu formulieren.

Wir bewegen uns deshalb nicht einfach auf eine kleinere oder größere Bevölkerung zu. Wir bewegen uns auf eine völlig andere Form von Zivilisation zu.

Die erste Phase: Weniger Menschen, mehr Maschinen

In der ersten Phase, die vermutlich bereits begonnen hat und bis zum Ende dieses Jahrhunderts deutlich sichtbar werden dürfte, wird die Weltbevölkerung ihren Höhepunkt erreichen und anschließend in vielen Regionen schrumpfen.

Das allein muss keine Katastrophe sein. Weniger Menschen können sogar eine Entlastung bedeuten. Problematisch wird es dort, wo Gesellschaften weiterhin so organisiert bleiben, als gäbe es ständig mehr junge Menschen, mehr Arbeitskräfte und mehr Beitragszahler.

Während die Bevölkerung altert, wird künstliche Intelligenz immer tiefer in Wirtschaft und Alltag eindringen. Roboter werden nicht nur Fabriken übernehmen, sondern Landwirtschaft, Pflege, Transport, Bauarbeiten und Teile der Verwaltung.

Menschen werden dadurch nicht überflüssig, aber die bisherige Verbindung zwischen Arbeit, Einkommen und gesellschaftlichem Wert wird zerbrechen.

Die große Krise wird vielleicht eine andere sein

Die große Krise der Zukunft könnte deshalb weniger aus einem Mangel an Nahrung entstehen als aus einem Mangel an Sinn und gerechter Verteilung.

Eine hochautomatisierte Welt könnte theoretisch genug für alle produzieren. Praktisch könnte sie dennoch in extreme Armut und extremen Reichtum zerfallen, wenn die Kontrolle über Maschinen, Energie und Daten in den Händen weniger Akteure liegt.

„Die gefährlichste Knappheit der Zukunft könnte nicht die Knappheit an Ressourcen sein, sondern die Knappheit an Teilhabe.“

Das klingt vielleicht weniger spektakulär als ein Meteorit oder eine globale Seuche. Doch gerade solche langsamen Verschiebungen können ganze Gesellschaften von innen heraus destabilisieren.

Wenn Millionen Menschen erleben, dass ihre Arbeitskraft nicht mehr gebraucht wird, während wenige Unternehmen über Daten, Maschinen und Produktionsmittel verfügen, wird daraus nicht nur ein wirtschaftliches Problem. Es wird zu einer Frage von Macht, Würde und gesellschaftlicher Zugehörigkeit.

Die zweite Phase: Der Mensch verändert sich selbst

In der zweiten Phase wird die Menschheit beginnen, ihren eigenen Körper gezielt zu verändern.

Genetische Krankheiten könnten bereits vor der Geburt korrigiert werden. Künstliche Organe, Implantate und direkte Verbindungen zwischen Gehirn und Computer werden zunächst medizinische Hilfsmittel sein. Später werden daraus Erweiterungen entstehen, die nicht mehr nur Krankheiten behandeln, sondern Fähigkeiten verbessern.

Ein Teil der Menschen wird solche Eingriffe ablehnen. Ein anderer Teil wird sie begeistert annehmen.

Wohlhabende Gesellschaften könnten ihren Kindern bessere Augen, höhere Widerstandsfähigkeit, ein stärkeres Gedächtnis oder ein längeres Leben ermöglichen. Damit entstünde eine Trennung, die tiefer reicht als jede heutige soziale Ungleichheit.

Es gäbe nicht mehr nur Arme und Reiche, sondern biologisch unterschiedliche Menschengruppen.

Wenn Menschen die Erde verlassen

Zur gleichen Zeit könnten sich kleine menschliche Gemeinschaften dauerhaft außerhalb der Erde ansiedeln.

Eine Marskolonie würde zunächst vollständig von der Erde abhängen. Über viele Generationen hinweg könnten sich ihre Bewohner jedoch körperlich verändern. Die geringere Schwerkraft, eine andere Strahlenbelastung und ein vollständig künstliches Lebensumfeld würden andere Anforderungen an den Körper stellen.

Irgendwann wären diese Menschen möglicherweise nicht mehr ohne Weiteres in der Lage, auf der Erde zu leben.

Dann gäbe es nicht mehr die eine Menschheit. Es gäbe Erdenmenschen, Weltraummenschen, genetisch veränderte Menschen und vielleicht digitale Formen menschlichen Bewusstseins.

Sie hätten gemeinsame Vorfahren, aber möglicherweise völlig unterschiedliche Lebensweisen, Körper und Vorstellungen davon, was Leben überhaupt bedeutet.

Das Ende könnte eine Verzweigung sein

Und genau hier scheitert für mich die Rechnung mit den 2,34 Billionen Menschen.

Sie geht davon aus, dass die Menschheit eine unveränderte Einheit bleibt, die irgendwann endet. Doch Evolution funktioniert nicht wie eine Kerze, die abbrennt und schließlich erlischt. Sie verzweigt sich.

Vielleicht gibt es in 17.100 Jahren tatsächlich keine Menschen mehr, die so aussehen und leben wie wir. Das müsste jedoch nicht bedeuten, dass unsere Geschichte beendet ist.

Unsere Nachfahren könnten über mehrere Planeten verteilt sein, ihre Körper austauschen, Jahrhunderte leben oder Teile ihres Bewusstseins in künstlichen Systemen speichern.

Würden wir diese Wesen noch als Menschen erkennen? Vermutlich nicht.

Aber ein Mensch aus der Steinzeit würde auch unsere heutige Welt kaum verstehen. Für ihn wären Flugzeuge, Smartphones, künstliche Herzen und Gespräche mit einer künstlichen Intelligenz vermutlich nichts anderes als Magie.

Nicht das Ende, sondern eine Verwandlung

Meine Zukunftshypothese ist deshalb weder besonders optimistisch noch rein düster.

Ich halte einen großen globalen Zusammenbruch in den kommenden Jahrhunderten durchaus für möglich. Klimaveränderungen, Kriege, Pandemien, Ressourcenprobleme und politische Instabilität können Milliarden Menschen treffen und unsere heutige Zivilisation schwer beschädigen.

Doch selbst ein gewaltiger Zusammenbruch würde nicht automatisch das Ende der menschlichen Spezies bedeuten.

Menschen sind erstaunlich anpassungsfähig. Sie leben in Wüsten, Eisregionen, Hochgebirgen, Megastädten und sogar monatelang in Raumstationen.

Unsere größte Stärke besteht nicht darin, besonders schnell, stark oder widerstandsfähig zu sein. Unsere Stärke ist, dass wir unsere Umgebung verändern, Wissen weitergeben und Werkzeuge bauen können.

Unsere größte Stärke ist zugleich unsere größte Gefahr

Die eigentliche Gefahr liegt deshalb vielleicht nicht darin, dass wir zu schwach sind, um zu überleben.

Sie liegt darin, dass unsere technischen Fähigkeiten schneller wachsen als unsere Fähigkeit, vernünftig mit ihnen umzugehen.

„Die Menschheit könnte an ihrer eigenen Intelligenz scheitern – oder durch sie etwas werden, das weit über die heutige Menschheit hinausgeht.“

Ein festes Ablaufdatum lässt sich daraus nicht berechnen.

Vielleicht endet unsere Geschichte in wenigen Jahrhunderten durch eine Katastrophe, die wir selbst verursachen. Vielleicht überleben wir noch Millionen Jahre. Vielleicht verbreiten sich unsere Nachfahren eines Tages über das Sonnensystem und erinnern sich an die Erde nur noch als den fernen Ursprung ihrer Geschichte.

Wann endet der Mensch wirklich?

Am wahrscheinlichsten erscheint mir eine Zukunft ohne klaren Schlusspunkt.

Die Menschheit wird nicht plötzlich verschwinden. Sie wird schrumpfen, sich neu ordnen, Krisen erleben, technische Grenzen überschreiten und sich schließlich in mehrere Entwicklungsrichtungen aufteilen.

Das Ende des heutigen Menschen könnte deshalb tatsächlich kommen. Aber nicht unbedingt als Weltuntergang mit einem letzten einsamen Überlebenden unter einem schwarzen Himmel.

Vielleicht geschieht es beinahe unbemerkt, während jede Generation ein kleines Stück anders wird, bis irgendwann niemand mehr genau sagen kann, an welchem Punkt aus uns etwas Neues geworden ist.

Und möglicherweise ist das die viel größere und faszinierendere Frage:

Nicht, wann der letzte Mensch stirbt, sondern wann der erste Nachfahre geboren wird, der kein Mensch mehr ist.

QELLEN

  • Beim „Weltuntergangsargument“ verlinken auf: https://en.wikipedia.org/wiki/Doomsday_argument
  • Bei der Studie zur „düsteren Prognose für 2064“ verlinken auf: https://phys.org/news/2026-05-mathematical-global-population.html