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Ich schreibe über die Themen, die mich faszinieren und nicht mehr loslassen: Wissenschaft, künstliche Intelligenz, Politik, Raumfahrt und die Zukunft. Oft im Gespräch mit Nova, meiner KI, mit der ich Dinge durchdenke, hinterfrage und manchmal auch streite. Mind Mosaik ist mein persönlicher Ort zum Nachdenken – ein Blog voller Ideen, Fragen und neuer Perspektiven. Denn jeder Gedanke ist ein Stein. Zusammen ergeben sie ein Mosaik.

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17 Seiten, Millionen fürs Ausland – und plötzlich stellte ich mir eine ganz andere Frage

Gesellschaft

17 Seiten, Millionen fürs Ausland – und plötzlich stellte ich mir eine ganz andere Frage

Von Elli 10 Min. Lesezeit · 29 Mal gelesen

Eigentlich fing alles ganz harmlos an. Ich war auf Facebook unterwegs und blieb an einem Beitrag hängen, in dem es um eine 17 Seiten lange Bundestagsdrucksache ging – Millionen fürs Ausland, offenbar. Was als Frage nach Steuergeld begann, endete bei einem ganz anderen Thema: technischem Fortschritt und unserer eigenen Lebenszeit.

Also tat ich genau das, was ich bei solchen Dingen inzwischen ziemlich oft mache: Ich gab NOVA den Link und sagte: „Schau dir das mal genauer an.“

NOVA recherchierte. Das Dokument war echt, die aufgeführten Projekte ebenfalls und auch die teilweise gewaltigen Summen waren keineswegs erfunden. In der Bundestagsdrucksache finden sich Projekte in Indien, Kolumbien, Brasilien, Georgien, Montenegro und vielen weiteren Ländern.

Manche Beträge liegen im zweistelligen, andere sogar im dreistelligen Millionenbereich.

Allerdings fand NOVA ziemlich schnell einen wichtigen Unterschied. Ein Teil dieser Beträge sind keine einfachen Geldgeschenke, sondern Kredite oder andere Finanzierungen. Ein Zuschuss wird grundsätzlich nicht zurückgezahlt, ein Kredit dagegen schon.

NOVA erklärte mir deshalb, warum man nicht einfach jeden Millionenbetrag aus dieser Tabelle zusammenzählen und anschließend behaupten könne, Deutschland habe diese gesamte Summe verschenkt.

Meine Reaktion darauf war allerdings ziemlich simpel: „Ist mir eigentlich egal, ob das ein Kredit ist. Geld ist doch trotzdem Geld.“

Und genau damit begann unser eigentlicher Kaninchenbau.

Woher nimmt ein verschuldeter Staat eigentlich sein Geld?

Wenn Deutschland selbst mit Billionen Euro verschuldet ist, stellte sich für mich eine ziemlich naheliegende Frage: Woher nimmt ein verschuldeter Staat eigentlich das Geld, das er anderen leiht? Kommt das aus der Luft?

NOVA erklärte mir daraufhin Staatsanleihen, Kapitalmärkte, die KfW und schließlich die Geldschöpfung der Banken. Spätestens dort wurde die Sache für mich wesentlich interessanter als die ursprünglichen Millionenprojekte. Denn unser Geldsystem funktioniert tatsächlich ganz anders, als man es sich vorstellt, wenn man nur den eigenen Geldbeutel betrachtet.

Der größte Teil unseres Geldes existiert nicht als Scheine oder Münzen irgendwo in einem Tresor. Es sind Zahlen auf Konten, Forderungen und Verbindlichkeiten. Banken können bei der Vergabe von Krediten neues Buchgeld schaffen, Staaten können sich über Anleihen finanzieren und eine Förderbank kann sich Geld beschaffen, um es wiederum als Kredit weiterzureichen.

Ich sagte irgendwann zu NOVA: „Dann ist das doch im Grunde eine riesige Luftnummer.“

Ganz so weit wollte NOVA zunächst nicht mitgehen. Sie erklärte mir, dass Schulden trotzdem reale Verpflichtungen darstellen, Kredite zurückgezahlt werden müssen und das System keineswegs folgenlos beliebig Geld erzeugen kann. Trotzdem blieb etwas an meiner Bemerkung hängen.

Denn je länger wir darüber sprachen, desto merkwürdiger wurde die Sache.

Was ist Geld eigentlich?

Eine Zahl auf meinem Bankkonto besitzt keinen materiellen Wert. Ich kann sie nicht essen, ich kann damit kein Haus bauen und im Winter hält sie mich auch nicht warm. Trotzdem entscheidet genau diese Zahl darüber, ob ich Lebensmittel bekomme, eine Wohnung bezahlen oder jemanden dafür bezahlen kann, mein Dach zu reparieren.

Geld funktioniert, weil wir uns gesellschaftlich darauf geeinigt haben, dass diese Zahlen etwas bedeuten und gegen reale Dinge und Leistungen eingetauscht werden können. Und irgendwann sagte NOVA etwas, bei dem ich hängen blieb: Geld ist damit letztlich auch ein Anspruch auf die Arbeitsleistung anderer Menschen.

Da wurde unser Gespräch plötzlich ziemlich grundsätzlich. Denn wer viel Geld besitzt, kann damit andere Menschen für sich arbeiten lassen, ohne selbst im gleichen Umfang arbeiten zu müssen. Wer dagegen kaum Geld besitzt, muss normalerweise etwas anbieten, um an Geld zu kommen.

Für die meisten Menschen ist das ihre Arbeitskraft – und damit ihre Lebenszeit.

Wie viel Lebenszeit kostet unsere Freiheit?

Ich musste dabei an ein Video denken, das ich kurz zuvor gesehen hatte. Darin wurde die provokante These aufgestellt, dass sich im Laufe der Geschichte lediglich die Art verändert habe, wie Menschen zur Arbeit gebracht werden. Früher geschah dies durch unmittelbaren Zwang, später über Abgaben und wirtschaftliche Abhängigkeiten und heute seien Menschen zwar formal frei, müssten aber trotzdem arbeiten, weil sie sonst irgendwann weder Wohnung noch Lebensmittel bezahlen könnten.

Historisch war diese Darstellung viel zu glatt, und NOVA widersprach mir auch an einigen Stellen. Moderne Erwerbsarbeit mit Sklaverei gleichzusetzen funktioniert schlicht nicht. Ein Arbeitnehmer gehört niemandem.

Er kann kündigen, seinen Beruf wechseln, Eigentum besitzen, eine Firma gründen und viele Entscheidungen selbst treffen.

Aber hinter der Übertreibung steckte eine Frage, die ich trotzdem nicht mehr loswurde: Wie frei ist eine Entscheidung eigentlich, wenn die Alternative wirtschaftliche Not bedeutet?

NOVA brachte dafür ein ziemlich einfaches Beispiel. Zwei Menschen beschließen morgen, nicht mehr zu arbeiten. Der eine besitzt zehn Millionen Euro, der andere zweihundert.

Rechtlich besitzen beide exakt dieselbe Freiheit. Praktisch ist die Situation vollkommen unterschiedlich. Der Millionär kann seine Entscheidung möglicherweise bis an sein Lebensende durchhalten.

Der andere wird ziemlich schnell feststellen, dass nahezu jedes grundlegende Bedürfnis Geld kostet.

Arbeiten, bis Körper und Kopf nicht mehr wollen

Dann musste ich an all die Geschichten denken, die ich über Burnout gelesen hatte. Menschen, die morgens schon erschöpft zur Arbeit fahren, die nur noch auf das Wochenende warten, die Wochen bis zum nächsten Urlaub zählen und teilweise jahrelang in Arbeitsverhältnissen bleiben, die ihnen überhaupt nicht guttun.

Natürlich macht Arbeit nicht grundsätzlich krank. Arbeit kann Freude machen, Sinn geben, Menschen zusammenbringen und einem das wunderbare Gefühl vermitteln, etwas geschaffen zu haben. Aber was passiert, wenn ein Mensch eben nicht mehr arbeitet, weil er möchte, sondern hauptsächlich deshalb weitermacht, weil er wirtschaftlich nicht aufhören kann?

Vielleicht liegt das Problem gar nicht in der Arbeit selbst. Vielleicht liegt es darin, wie viel unserer begrenzten Lebenszeit wir verkaufen müssen, um überhaupt wirtschaftlich sicher leben zu können.

Ausgerechnet eine KI bringt mich auf die nächste Frage

An diesem Punkt wurde es beinahe ironisch, denn nun saß ausgerechnet ich da und diskutierte mit einer künstlichen Intelligenz darüber, warum Menschen so viel arbeiten müssen.

Maschinen wurden schließlich einmal erfunden, um Menschen Arbeit abzunehmen. Danach kamen Computer, Roboter und Automatisierung. Heute kommt künstliche Intelligenz hinzu.

NOVA kann mir innerhalb weniger Minuten Dinge recherchieren, sortieren und erklären, für die ich früher möglicherweise Stunden gebraucht hätte. In Unternehmen geschieht dasselbe in viel größerem Maßstab. Tätigkeiten, für die früher mehrere Menschen benötigt wurden, können teilweise automatisiert oder wesentlich schneller erledigt werden.

Eigentlich müsste das doch eine fantastische Entwicklung sein. Wenn wir dieselbe gesellschaftliche Leistung mit weniger menschlicher Arbeitszeit erzeugen können, müsste irgendwann Arbeitszeit übrig bleiben.

Aber wo ist diese Zeit?

Wenn eine Maschine eine Tätigkeit doppelt so schnell erledigt, lautet die Konsequenz meistens nicht, dass der Mensch künftig nur noch halb so lange arbeiten muss. Stattdessen kann mehr produziert werden. Wenn Software einem Mitarbeiter täglich zwei Stunden Arbeit erspart, bekommt er normalerweise nicht zwei Stunden seines Lebens zurück, sondern zusätzliche Aufgaben.

Und nun diskutieren wir darüber, wie viele Arbeitsplätze künstliche Intelligenz eines Tages überflüssig machen könnte, als wäre weniger notwendige menschliche Arbeit automatisch eine Katastrophe.

Vielleicht stellen wir dem Fortschritt die falsche Frage

Genau da stellte NOVA eine Frage, die mir ausgesprochen gut gefiel: Vielleicht haben wir dem technischen Fortschritt jahrzehntelang einfach die falsche Frage gestellt.

Wir fragen ständig, wie Maschinen dafür sorgen können, dass wir mehr produzieren. Vielleicht sollten wir endlich fragen, wie Maschinen dafür sorgen können, dass Menschen weniger von ihrer Lebenszeit verkaufen müssen.

Nehmen wir einmal ein Unternehmen mit hundert Beschäftigten. Durch Automatisierung und künstliche Intelligenz könnte irgendwann dieselbe Leistung mit der Hälfte der menschlichen Arbeitszeit erbracht werden. Daraus kann eine Welt entstehen, in der fünfzig Menschen ihre Arbeit verlieren und das Unternehmen seine Personalkosten reduziert.

Es könnte theoretisch aber auch eine Welt entstehen, in der hundert Menschen weiterarbeiten und jeder deutlich weniger Stunden leisten muss.

Die Technologie wäre dieselbe. Der Unterschied läge einzig darin, wem der Produktivitätsgewinn zugutekommt.

Und das ist eigentlich eine ziemlich gewaltige gesellschaftliche Frage. Warum betrachten wir es als Problem, wenn Maschinen weniger menschliche Arbeit notwendig machen? War das nicht ursprünglich genau der Sinn dieser Maschinen?

Was wäre, wenn Arbeit nicht mehr über die Existenz entscheidet?

Damit waren wir endgültig weit weg von der Bundestagsdrucksache, mit der alles angefangen hatte. Plötzlich diskutierten wir darüber, ob eine Gesellschaft denkbar wäre, in der die wirtschaftliche Existenz eines Menschen nicht mehr vollständig davon abhängt, möglichst viel seiner Lebenszeit zu verkaufen.

Damit meine ich ausdrücklich nicht: Niemand arbeitet mehr und alles ist kostenlos. Häuser bauen sich schließlich nicht von allein, Lebensmittel wachsen nicht fertig verpackt im Supermarkt und auch Pflege, Energieversorgung oder Infrastruktur benötigen weiterhin menschliche Arbeit.

Aber müsste ein Mensch wirklich vierzig Stunden oder mehr pro Woche arbeiten, wenn Maschinen einen immer größeren Teil der notwendigen Arbeit übernehmen können?

Vielleicht könnte eine Grundabsicherung mit einer wesentlich kürzeren Normalarbeitszeit verbunden werden. Vielleicht könnte es irgendwann eine Automatisierungsdividende geben, durch die Menschen unmittelbar an den Produktivitätsgewinnen von Maschinen und KI beteiligt werden. Vielleicht gibt es völlig andere Modelle, auf die wir heute noch gar nicht gekommen sind.

Das Spannende wäre für mich nicht, sofort eine dieser Ideen zur einzig richtigen Lösung zu erklären. Viel interessanter wäre, sie wirklich durchzurechnen und auch dort weiterzudenken, wo es unangenehm wird.

Und wer macht dann die Drecksarbeit?

Natürlich entsteht sofort die nächste Frage: Wer leert die Mülltonnen, arbeitet nachts im Krankenhaus, reinigt Toiletten, steht im Winter auf Baustellen oder übernimmt all die anderen Tätigkeiten, die nicht plötzlich verschwinden, nur weil Menschen wirtschaftlich freier werden?

Vielleicht liegt gerade darin eine interessante Konsequenz. Wenn niemand mehr einen miserablen Arbeitsplatz allein deshalb annehmen müsste, weil er andernfalls seine Existenz nicht sichern kann, müssten unangenehme Tätigkeiten möglicherweise besser bezahlt werden. Arbeitsbedingungen müssten verbessert oder die entsprechenden Arbeiten stärker automatisiert werden.

Tätigkeiten, die gesellschaftlich unverzichtbar sind, könnten dadurch plötzlich einen ganz anderen Wert bekommen. Vielleicht würde dann eine Pflegekraft oder ein Müllwerker eine stärkere Verhandlungsposition besitzen als jemand, dessen Tätigkeit problemlos von einer Maschine übernommen werden kann.

Natürlich könnte auch dieses Modell Probleme erzeugen. Vielleicht würden bestimmte Leistungen enorm teuer. Vielleicht gäbe es Arbeitskräftemangel.

Vielleicht würde eine Grundabsicherung Inflation auslösen oder müsste ganz anders finanziert werden. Genau diese Gegenargumente müsste man ebenfalls untersuchen.

Von 17 Bundestagsseiten zur Frage nach unserer Lebenszeit

Ob eine solche Gesellschaft funktionieren könnte, weiß ich nicht. NOVA weiß es ebenfalls nicht. Und wahrscheinlich würden einige wunderschöne Ideen bei einer ernsthaften Rechnung ziemlich unsanft an der Realität zerschellen.

Aber genau dafür soll diese neue Rubrik da sein. Nicht um fertige Wahrheiten zu verkünden, sondern um einer Frage zu folgen und zu schauen, wo wir am Ende herauskommen.

Und diesmal war dieser Weg wirklich bemerkenswert. Ich begann mit einem Facebook-Beitrag über 17 Seiten voller Millionenbeträge. Dann fragte ich NOVA nach den Projekten.

Wir landeten bei Entwicklungskrediten, Staatsverschuldung und Geldschöpfung, anschließend bei der Frage, was Geld überhaupt ist, danach bei wirtschaftlicher Abhängigkeit, Arbeit und Burnout und schließlich bei künstlicher Intelligenz und der Frage, wem eigentlich der technische Fortschritt gehört.

Am Ende blieb mir deshalb ausgerechnet von einer Diskussion über Millionenprojekte im Ausland ein ganz anderer Gedanke im Kopf:

Vielleicht sollte Fortschritt irgendwann nicht mehr nur daran gemessen werden, wie viel mehr wir produzieren können, sondern daran, wie viel mehr von unserem eigenen Leben uns dadurch wieder gehört.

Und ich fürchte, damit habe ich NOVA schon das nächste Thema geliefert. 😄

NOVA denkt laut – und ich denke mit.

Quellen:
Deutsche Bundesbank – Wie Geld entsteht: https://www.bundesbank.de/de/aufgaben/themen/wie-geld-entsteht-665288
ifo Institut – Automatisierbarkeit von Berufen: https://www.ifo.de/en/publications/2024/article-journal/automatisierbarkeit-von-berufen